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Aline Stalder:
«Ich würde sofort wieder Lehrerin werden»

Aline Stalder ist Vorschul- und Primarstufenlehrerin

Besonders schätze ich die Zusammenarbeit im Team. Die gegenseitige Wertschätzung ist sehr hoch. Zusammen packen wir auch gerne aufwendigere Projekte an. So gibt es einmal monatlich einen Anlass, den alle vom Kindergarten bis zur 6. Klasse planen und durchführen. Und die Kinder packen da grossartig an und gestalten mit.

Sehr spannend war auch das Projekt «Spielzeugfreier Kindergarten», an dem unser Kindergarten teilgenommen hat. Die Kinder mussten erst mit Langweile umgehen lernen – wurden dann aber sehr schnell kreativ.

Den Lehrberuf empfinde ich immer wieder als Lebensschule. Ich habe zum Beispiel viel gelernt über den Umgang mit Zeit. So bin ich auch geduldiger geworden – vor allem mit Kindern, die etwas länger brauchen. Am Unterrichten schätze ich sehr, dass immer wieder die Möglichkeit besteht, sich Zeit zu nehmen, um Themen vertieft zu betrachten. Für die Kinder, von denen  einige einen dichteren Terminplan haben als manche Erwachsene, ist das ein willkommener Rhythmuswechsel. Und dadurch, dass ich einerseits Kindergärtnerin bin, zusätzlich an der Primarstufe unterrichte und dann auch noch künstlerisch tätig bin, habe ich gelernt, meine Zeit effizient einzuteilen, zu fokussieren. Ich habe gelernt, das, was ich mache, «richtig» zu machen.

Das Gestalterische lag mir immer nahe. In meiner Ausbildung zur Möbelschreinerin beschäftigte ich mich mit Werkstoffen und Design. Allerdings suchte ich auch Kontakt mit Menschen, den persönlichen Austausch. Darum machte ich Praktika, die mich in den sozialen und sozialpädagogischen Bereich führten – und kam so zum Lehrberuf.

Im Werkunterricht auf der Primarstufe kann ich natürlich mit meinem Wissen und Können im Umgang mit Werkzeugen und Werkstoffen punkten. Ich kriege immer wieder begeisterte Feedbacks von Eltern. Besonders Väter haben grossen Respekt davor, dass ich früher Schreinerin war. Insofern passe ich nicht in althergebrachte Rollenklischees. Aber Rollenklischees werden schon noch gelebt. Mir fällt in meiner Kindergartenklasse immer wieder auf, dass Buben auch mal gerne mit Puppen spielen würden, aber irgendwie mitgekriegt haben, dass «Mann so was nicht macht». Und umgekehrt: Wenn ich mit Hammer und Nägeln komme, reissen sich erst die Buben darum, während ich die Mädchen etwas antreiben muss. Interessant aber ist: Wenn ich es einbette und sage, wir machen ein Kunstwerk, dann halten sich Mädchen weniger zurück. Dann wird der Umgang mit dem Hammer selbstverständlich.

Aber natürlich gibt es Unterschiede. Ich glaube zum Beispiel, dass Frauen Sorgen länger mit sich herumtragen als Männer. Die Männer in unserem Team sprechen sie früher aus. Das zeigt sich auch bei Elterngesprächen. Ich habe beobachtet, dass sich viele Frauen Konfliktthemen über einen Bogen nähern, während Männer die Sache schneller und direkter angehen. Für das nächste Mal, wenn ich Übertrittsgespräche führe, habe ich mir fest vorgenommen, auch direkt und klar zu sein. Als Lehrperson muss man eine klare Linie haben – besser noch mitbringen. Ich denke da nicht nur an Normen und Werte, die man vorleben und vermitteln muss. Heute so und morgen anders – das geht nicht. Als Lehrerin muss ich konsequent sein.

Wenn ich nochmals in den Beruf einsteigen könnte, würde ich mir heute eine kleine Schule suchen. Ich startete in einer Schule mit über 60 Lehrern und ging als Neueinsteigerin fast unter. In einer kleinen Schule kann ich mich besser einbringen.

Ich war froh, dass ich in einem Doppelkindergarten in den Beruf einsteigen durfte. Ich hatte eine etwa gleich alte Kollegin, mit der ich mich austauschen konnte – eine Bezugsperson, mit der ich meine Erfahrungen spiegeln und reflektieren konnte.

Es ist gut, wenn man zu jemandem gehen kann und sagen kann: «Mit dieser Situation hatte ich heute Mühe. Wie würdest du da vorgehen?» Für Berufseinsteigende wünschte ich mir eine Bezugsperson für Austausch und Reflexion. Ich glaube, viele Lehrpersonen tauschen sich da zu wenig aus, weil Nachfragen und Unsicherheiten von anderen im Team auch als Schwäche wahrgenommen werden könnten. Das ist gut in meinem Team. Bei uns kommen die Themen auf den Tisch.