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Birgitte Gümoes:
«Das Studium gab mir Drive.»

Birgitte Gümoes, Sonderpädagogin

Ich bin seit 28 Jahren im Lehrberuf tätig. Ja, ich würde heute wieder Lehrerin werden. Aber der Beruf ist natürlich nicht so, wie ich ihn mir als Kind vorgestellt hatte – als ich mit meinem sieben Jahre jüngeren Bruder «Schülerlis» gespielt hatte. Bevor ich meine Tochter bekam, habe ich als Lehrerin kurz pausiert. Ich wollte etwas ganz anderes machen und fragte bei einem Vermessungsbüro an, ob sie jemanden brauchen könnten. Dort habe ich sieben bis acht Monate als Messhilfe gearbeitet, den ganzen Winter und Sommer. Es war extrem gut, einfach mal einen anderen Job zu machen, in einer anderen Arbeitswelt zu sein. Für eine Weile war ich Hausfrau und Mutter. Aber ich vermisste die Arbeit in der Schule, die Kinder, eine ganze Klasse. Die Rückkehr in den Lehrberuf war aber sicher auch pragmatisch. Mein Mann und ich hatten die Rollen getauscht. Er arbeitete zuhause und ich habe voll gearbeitet, als Familienverdienende.

Schule ändert sich auch immer wieder. Das stärkste positive Erlebnis hatte ich auf der Basisstufe, in der Zusammenarbeit mit anderen Lehrpersonen. Nicht mehr alleine unterrichten, sondern miteinander – und auch miteinander herausfinden, wie man was zusammen machen will – das war eine riesige Bereicherung und auch eine Entlastung.

Auf der Vorschul- und Primarstufe hat es leider fast keine Männer. Und das liegt, glaube ich, nicht am Lohn, sondern mehr an den Arbeitsbedingungen, die manchmal etwas mühsam sind. Und die Frauen machen da halt eher mit. Das ist vielleicht so ein bisschen die Art der Frauen, zu schauen, dass es möglichst machbar ist.

Am wohlsten ist es mir eigentlich in ausgewogenen Teams, wenn das Verhältnis Frauen/Männer ausgeglichen ist – aber das ist in unserem Berufsfeld leider nicht der Fall. Männer bringen immer wieder ein anderes Denken rein. Reine Frauen-Teams sind sehr emotional. Männer erlebe ich da schon als pragmatischer. Männer können mit raufenden Jungen besser umgehen als Frauen. Sie lassen das mehr laufen, gewähren den Jungen mehr Spielraum. Wir Frauen reagieren da viel empfindlicher. Männer finden: «Klar, jetzt tragt das einfach noch fertig aus.» Wir Frauen finden viel schneller: Oh, das ist jetzt aber schlimm. Auch wenn unsere einfühlenden, sensitiven Fähigkeiten sehr wichtig sind, könnten wir hier den Männern schon ein bisschen was abschauen.

Im Schulhaus haben wir jemanden gebraucht und gesucht, der die schulische Heilpädagogik übernimmt. Und ich habe mich darauf für das Studium des Masters Sonderpädagogik aus zwei Gründen entschieden: Für mich war es ein spannender weiterer Schritt in meinem Werdegang! Und der andere Grund war der, dass ich selbst immer wieder «angestanden» bin bei Kindern, die Schwierigkeiten gehabt haben, und ich mir überlegt habe: «Und was mache ich jetzt?» Dass ich das Angebot erhalten habe und annehmen konnte, war eine «Mega-Chance».

Das Studium gab mir «Drive». Schon als ich auf der Basisstufe unterrichtete, hatten wir viele Weiterbildungen, und einige fanden es anstrengend oder zu viel. Dabei – die Zusammenarbeit,  das Wissen – heizt das eigentlich mehr an, es gibt einem mehr Energie, um etwas auszuprobieren. Die Lust an der Veränderung – an der Arbeit oder an sich selbst. Diese Dynamik habe ich als sehr bereichernd und belebend empfunden und nicht als anstrengend.