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Gabriela Seibert:
«Die Pädagogische Hochschule hat mir viel Freiheit gewährt»

Gabriela Seibert studiert im Studiengang Sekundarstufe I an der Pädagogischen Hochschule FHNW (Fächer Sport, Musik und Bildnerisches Gestalten)

«Ich bin von Natur aus ein kreativer Mensch und habe viele eigene Ideen. Wer so tickt, kommt im Sek-I-Studium der Pädagogischen Hochschule FHNW voll auf seine Rechnung, denn die Hochschule fördert Projekte von Studierenden und steht ihnen mit Rat und Tat zur Seite. Davon habe ich selbst in meinen bisher drei Studienjahren stark profitiert: Ich durfte über mehrere Etappen ein eigenes Projekt entwickeln, den ‹auditiven Schwimmtrainer›. Im Prinzip geht es darum, mit Hilfe von Musik besser zu schwimmen.

Den Anfang markierte eine Seminararbeit mit freier Zielsetzung im Fach Musik, das ich für mein Studium mit Sport und Bildnerischem Gestalten kombiniere. Alle drei Fächer sind in das Projekt eingeflossen. Meine Idee war, herauszufinden, ob sich beim Schwimmen mit Musik die Leistung steigern lässt. Das Problem war: Es gab zum Schwimmen keine passende Musik. Also setzte ich mir zum Ziel, Musik zu entwickeln, welche die Bewegungen beim Crawl-Schwimmen in eine Klangfolge übersetzt. Jedes Bewegungselement dieses zyklischen Ablaufs sollte einzelnen Klangeigenschaften zugeordnet werden: der Handgeschwindigkeitsverlauf, die Koppelung und der Rhythmus von Bewegungen, der Beinschlag, die Drehung des Rumpfes, der Winkelverlauf der Gelenke, die Phasen des Kraularmzuges und so weiter. Die Vertonung des Bewegungsablaufs heisst im Fachjargon ‹Sonifikation›.

In der Pilotphase benutzte ich dazu den Computer. Man hat mir viel Freiheit gewährt und ich bin von den Dozierenden immer wieder ermutigt und unterstützt worden. Es entstand ein musikalisch unterlegtes, rhythmisches Klangmuster für den linken und rechten Arm. Dann wandten zwei Probanden das Stück eine Zeitlang während ihres Schwimmtrainings an, indem sie einen wasserfesten MP3-Player im Ohr trugen, und siehe da: Sie verbesserten sich. Sie wurden schneller, was vor allem am optimierten Rhythmus lag.

Anschliessend habe ich meine Bachelorarbeit auf dem auditiven Schwimmtrainer aufgebaut. Anstatt mit dem Computer zu arbeiten, experimentiere ich mit Musikern im Tonstudio, in zahlreichen kleinen Teilschritten, um zu einem möglichst optimalen Ergebnis zu kommen. Der Schwimmtrainer soll musikalisch tönen, nicht nach PC-Sound. 20 Probanden sind am Prototyp beteiligt. Das Ziel ist, nicht nur technische Elemente zu vertonen, sondern auch die Gefühle zu transportieren, die sich beim Schwimmen einstellen, so dass man zur Musik in einen Flow gerät. Das Projekt öffnet viele spannende Forschungsansätze, die ich auch in der Masterarbeit weiter untersuchen möchte.

Mit dem Schwimmtrainer stosse ich in der Fachwelt auf eine Resonanz, die mich selbst überrascht. Sowohl von den Sport- wie auch den Musikwissenschaften habe ich Einladungen zu internationalen Konferenzen bekommen. Meine Arbeit erscheint in amerikanischen und europäischen Fachzeitschriften. Ich könnte das Konzept auch vermarkten, aber das hat für mich keine Priorität. Ich wünsche mir eher, dass es der Forschung weitere Impulse gibt und auch bei anderen Sportarten oder im allgemeinen Unterricht etwas bewirkt. Im Sportunterricht ist es ja normalerweise so, dass die Lehrperson etwas erklärt oder vormacht. Die Schüler werden so über den kognitiv-visuellen Sinn angesprochen. Mit dem Gehör jedoch arbeitet man sehr selten. Dabei gibt es im Sport sehr viele rhythmische Bewegungsabläufe – Kugelstossen, Hoch- und Weitsprung, Speerwerfen in der Leichtathletik – die man rhythmisch-musikalisch unterlegen könnte. In meinen Praktika habe ich erfahren, dass sich die auditive Bewegungsunterstützung positiv auswirkt, nicht nur beim Schwimmen. Zudem lernen Schüler besser und nachhaltiger, wenn mehrere Sinne beteiligt sind.

So vielversprechend die Forschung sein mag – für mich persönlich ist sie kein Betätigungsfeld, auf dem ich mich weiter bewegen möchte. Mir liegt die Begleitung und Förderung von jungen Menschen in ihrem individuellen Entwicklungsprozess mehr am Herzen. Das ist der Hauptgrund, weshalb ich mich kurz vor der Matur und mit Bestnoten in den naturwissenschaftlichen Fächern gegen das ursprünglich anvisierte Medizinstudium entschieden, sondern beschlossen habe, Lehrerin zu werden. Ich habe Kinder sehr gerne, insbesondere Jugendliche, also die Stufe, die ich als Lehrperson der Sekundarstufe I unterrichte. Durch die Fächerkombination, die ich gewählt habe, kann ich meine Kreativität und meine Ideen ungebremst ausleben, so dass sie anderen zugute kommen. Diesen Zug habe ich schon immer gehabt: Es hat mir von Kindsbeinen an Freude gemacht, anderen etwas beizubringen. Ich habe zum Beispiel schon als Teenager eigene Musicals geschrieben und einstudiert. In der Freizeit arbeite ich seit Jahren als Bademeisterin im Freibad Schachen Aarau.

Mein pädagogisches Credo, egal welche Tätigkeit in welchem Umfeld, lautet: Zuerst geht es immer darum, zu meinem Mitmensch-Gegenüber eine Beziehung aufzubauen; den Jugendlichen auf Augenhöhe zu begegnen und sie abzuholen. Erst dann gelingt es, ihnen etwas Inhaltliches zu vermitteln. Bei uns Studierenden werden an der Pädagogischen Hochschule vier Bereiche schwerpunktmässig entwickelt: Die Methoden-, Fach-, Sozial- und Selbstkompetenz. In meinen Augen ist der vierte Bereich, die Persönlichkeitsentwicklung, die allerwichtigste für eine Lehrperson. Wer in diesem Beruf arbeiten will, darf seine Arbeit nicht auf die Schülerinnen und Schüler beschränken, sondern muss genauso an sich selbst arbeiten. Eine Ich-Entwicklung ist gefragt, das ganze Berufsleben lang.

Ein Tipp für jene, die sich für ein Sek-I-Studium an der Pädagogischen Hochschule interessieren. Die wichtigste Voraussetzung ist der Draht zu Teenagern: die Bereitschaft, sich auf ihre Lebenswelt einzulassen, jeden und jede von ihnen als einzigartig anzuerkennen und gelegentlich auch von ihnen zu lernen. Eine Lehrperson muss nicht alles wissen, sie sollte sich aber ihrer Stärken und Schwächen bewusst sein und damit umgehen können. Wer mit dieser Haltung das Studium in Angriff nimmt, dürfte Erfolg haben. Die Motivation, das Ganze durchzuziehen, holt man sich am besten beim Unterrichten – in den Praktika, oder auch in einer leitenden Funktion bei einer Jugendorganisation. Im Studium an der Pädagogischen Hochschule lernt man zu unterrichten, die praktische Umsetzung wird einem aber nicht abgenommen. Ins Wasser springen muss man schon selber. Doch wie gesagt: Beim Schwimmen kann man sich immer verbessern.»