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Bettina Rechberger:
«Ich erlebe häufig dieses Hochgefühl, wenn es super gelaufen ist!»

Bettina Rechberger ist Sekundarlehrerin für Hauswirtschaft, Sport und Französisch an der Orientierungsstufe des Inselschulhauses (Basel-Stadt)

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«Ob ich wieder gleich entscheiden würde, wenn ich die Wahl hätte? Nun, nach 22 Jahren Schule kämen mir vielleicht einige Alternativen in den Sinn; ich habe zum Beispiel diese gestalterische, kreative Seite, die ich phasenweise sehr stark in meiner Freizeit auslebe. Aber die Freude, die ich aus dem Unterricht ziehe, motiviert mich extrem für diesen Beruf, und zwar tagtäglich aufs Neue. Deshalb: Ja – ich würde wieder Lehrerin werden wollen, wenn ich noch einmal wählen könnte.

Für diesen Beruf muss man verschiedene Voraussetzungen mitbringen – insbesondere, um ihn wie ich über längere Zeit auszuüben. Die wichtigste ist in meinen Augen die Offenheit, um sich immer wieder auf neue Situationen und Personen einzustellen. Da sind natürlich die Kinder, denen ich tagtäglich begegne, aber auch die Eltern, andere Lehrpersonen oder die Schulleitung, mit denen ich ebenfalls zu tun habe. Man ist gefordert, sich mit sehr vielen Personen und Charakteren auseinanderzusetzen. Als Lehrerin muss ich offen und fassbar sein, gleichzeitig muss ich mich schützen können, um nicht vom Hundertsten ins Tausendste zu geraten.

Die Heterogenität im Inselschulhaus erlebe ich als sehr bereichernd. Einer meiner Pluspunkte ist, dass ich sehr gerne mit verschiedenen Methoden arbeite. Meinen Unterricht bereite ich intensiv vor, ausgerichtet auf den Migrationshintergrund, den viele Kinder hier mitbringen. Ich habe den Anspruch, den Stoff so überraschend und vielfältig wie möglich zu vermitteln, und ich glaube, dass ich so recht gut auf die Verschiedenartigkeit der Kinder eingehen kann. Das motiviert mich, jeden Tag weiterzumachen.

Die Kinder haben die unterschiedlichsten Interessen und Bedürfnisse. Ich versuche, jedes einzelne gut kennenzulernen und im Unterricht individuell zu berücksichtigen. Die verschiedenen Herkünfte und Geschichten finde ich spannend und herausfordernd, sei es bei Kindern, die erst seit kurzem in unserem Schulhaus sind, sei es bei anderen, bei denen sich ein Talent abzeichnet und ich zum Beispiel im Französischunterricht so richtig ‹Gas geben› kann. Es braucht aber für jedes einzelne Kind eine spezielle Vorbereitung und Bereitschaft, auf es einzugehen.

Ob mir das gelingt, hängt unter anderem von der Tagesform ab. Ich erlebe es häufig, dieses Hochgefühl, wenn etwas so richtig super gelaufen ist, ein Plan aufgegangen ist oder sich ein kleines Risiko, das ich eingegangen bin, gelohnt hat. Aber natürlich stosse ich auch ab und zu an meine Grenzen und muss erkennen, dass ich einem Kind nicht das bieten kann, was es braucht – selbst wenn ich im Unterricht alles Mögliche ausprobiert habe. Das ist dann der Punkt, an dem ich die Heilpädagogin einschalte.

Ich habe während meines bisherigen Berufslebens ausschliesslich in diesem besonderen Schulhaus hier gearbeitet. Vieles hat sich über die Jahre verändert, aber der Zusammenhalt der Lehrer- und Lehrerinnen-Teams hat immer gut funktioniert. Sie sind der Nährboden des Ganzen. Man weiss, dass man dort Rückhalt bekommt, dass man im Team fast alles besprechen kann. Das stärkt enorm. Mir bedeutet die Zusammenarbeit sehr viel, egal ob im Kernteam, das für die Klasse zuständig ist, oder im klassenübergreifenden Verband. Meine persönliche Taktik geht so: Ich erkundige mich bei jenen Lehrpersonen, bei denen ich das Gefühl habe, mich am besten austauschen zu können, ob bei fachlichen oder methodischen Knackpunkten. So habe ich einen super Halt im ganzen Team und viel Freude. Viele Arbeitskolleginnen und –kollegen zählen auch zu meinem privaten Freundeskreis.

Für den Lehrberuf ist nach meiner Erfahrung eine gute Work-Life-Balance wichtig. Beim Pensum gibt es viele Möglichkeiten, sich zu organisieren. Ich persönlich habe recht früh entschieden, kein volles Pensum zu belegen, und dass ich mehrere, recht verschiedene Fächer unterrichten möchte. Sport, Französisch und Hauswirtschaft ist ja eine eher ungewöhnliche Fächerkombination. Dass ich so vielseitig sein, den Job nach meinen Vorstellungen und Ansprüchen gestalten kann – all das hält mich hier mehr als über Wasser. Gleichzeitig habe ich meine Familie, mit der ich viel Zeit verbringe. Die Nachmittage mit meinen eigenen Kindern zum Beispiel sind mir sehr viel wert, auch dort kann ich auftanken.

Die Ziele, die ich mir in meinem Berufsleben gesteckt habe? Ich möchte erreichen, dass die Kinder tagtäglich mit Freude hierherkommen und gerne zur Schule gehen; dass ich sie dort abholen kann, wo sie sind, und gute Beziehungen mit ihnen eingehen kann. Auch ich will weiterhin mit Freude hierherkommen. Und dann gibt es natürlich die fachlichen Ziele: Ich habe den Ehrgeiz, die Kinder Schritt für Schritt weiterzubringen in den Fächern, die ich unterrichte. Auch fürs ganze Schulhaus habe ich für mich ein Ziel formuliert: Ich möchte, dass wir allen, die hier ein- und ausgehen, einen guten, fruchtbaren Boden bieten, und dass wir eine offene Gesprächskultur pflegen. Ich selbst gewinne viel aus diesem Mikrokosmos Kernteam und Klasse. Er gibt mir enorm viel Energie.»