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Dario Abt:
«Ich kann die Kinder in einer entscheidenden Phase mitprägen»

Dario Abt ist Kindergärtner

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«Am Ende meiner Schulzeit habe ich mir die Frage gestellt: Was nun? Für mich war nicht von Anfang an klar, dass ich Kindergärtner werden wollte. Der Lehrerberuf reizte mich. Ich war als Jugendlicher in der Pfadi engagiert und hatte als Wölfli-Leiter schon immer den Zugang zu jüngeren Kindern. Während der Ausbildung an der Pädagogischen Hochschule merkte ich dann eindeutig, dass ich mich auf den Kindergarten und die Unterstufe zu konzentrieren wollte. In den Praktika habe ich realisiert, dass mich der Kindergarten immer stärker faszinierte.

Es gefällt mir, dass ich meinen Unterricht selber strukturieren und Schwerpunkte definieren kann. In der Primarschule ist man stärker an Lehrmittel gebunden. Im Kindergarten kann ich Themen auf viele verschiedene Arten angehen, einen grossen Bogen über das Ganze ziehen. Ausserdem ist die Zeit zwischen 4 und 6 Jahren für die Entwicklung der Kinder ausserordentlich wichtig. Sie in dieser Zeit zu begleiten, zu prägen und ihnen viel beizubringen, ist spannend und herausfordernd zugleich.

Ich bin seit 2012 selbst Vater einer Tochter und ich beobachte bei ihr, wie sie vieles von sich aus lernen will. Manchmal erschreckt es mich dann schon, wenn ich Kinder sehe, die mit 4 Jahren noch viele alltägliche Dinge – wie zum Beispiel sich selber anziehen – nicht machen können. Viele Kinder verbringen zu viel Zeit vor dem Computer und dem Fernseher und haben dadurch oft wenig Bewegung in ihrem Alltag. In solchen Fällen musste ich lernen, auch im Dialog «streng» mit den Eltern zu sein, sprich klar sagen zu können, was ich erwarte. Das ist nicht immer einfach.

Der Beruf verlangt grosse Präsenz und mentale Stärke. Die Kinder kommen mit unterschiedlichsten Fähig- und Fertigkeiten in den Kindergarten, was eine grosse Herausforderung darstellt – gerade das macht den Beruf spannend. Zudem kann ich vieles tun, das mir auch persönlich Freude bereitet: gestalten, musizieren, mit den Kindern in den Wald gehen, turnen.

Das Bild, das sich die Gesellschaft von Männern als Kindergartenlehrperson macht, ist nach meiner Erfahrung ein durchaus positives. In meinem persönlichen Umfeld gab es auf jeden Fall keine kritischen Reaktionen zu meiner Berufswahl. Meine Eltern arbeiteten beide Teilzeit und teilten sich auch die Kinderbetreuung. Das war zur Zeit meiner Kindheit aussergewöhnlich. Für mich aber war es normal, dass mein Vater viel Zeit mit mir und meinem Bruder verbrachte. Mein Umfeld sah meine Berufswahl nie als etwas Besonderes.

Ich finde es sehr wichtig, dass auch Männer als Kindergartenlehrpersonen oder Primarlehrer arbeiten. Viele Kinder, mit denen ich in Kontakt komme, besuchen eine Krippe und sind auch dort oder eben auch zu Hause vor allem von Frauen umgeben. Auch im Lehrerteam ist eine gute Durchmischung von Vorteil. Natürlich gibt es Dinge, die Frauen anders sehen, als Männer. Ich denke aber, dass verschiedene Sichtweisen mehr mit der Persönlichkeit eines Menschen zu tun haben, als mit dem Geschlecht. Im Team ergänzen sich Frauen und Männer sehr gut. Der Austausch mit männlichen Kollegen ist wichtig, und manchmal wäre es schön, wenn es ein paar Männer mehr gäbe, die sich für diesen Beruf entscheiden.

Immer wieder treffe ich auf Vorurteile bei der Elternschaft mir gegenüber als männliche Kindergartenlehrperson. Meist verliert sich diese Skepsis aber schnell, wenn sie sehen, wie ich arbeite. Den Kindern spielt es keine Rolle – sie kennen ohnehin nichts anderes und können mich gut annehmen.»