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Patrick Isler:
«Kein Tag ist wie der andere.»

Patrick Isler, Dozent (davor Primarlehrer)

Bevor ich mich entschied, Lehrer zu werden, hatte ich schon einen Beruf erlernt. Nach der Bezirksschule absolvierte ich eine Hochbauzeichnerlehre und die Berufsmatur. Gleichzeitig war ich Jugendverantwortlicher beim Schweizer Alpen-Club SAC und fand es dort sehr spannend, als Jugend und Sport-Leiter mit Kindern und Jugendlichen zu arbeiten.

Meine Mutter ist eine engagierte Lehrerin. Daher wusste ich schon, was auf mich zukommen würde, als ich mich entschied, Primarlehrer zu werden. Sofort würde ich mich wieder für diesen Beruf entscheiden und wieder denselben Weg wählen – via Berufslehre. Diese zusätzliche Perspektive habe ich immer wieder geschätzt und auch darauf zurückgreifen können z.B. in der Zusammenarbeit mit Eltern. Die Eltern schätzen es, wenn man als Lehrperson auch die Welt ausserhalb von Schulzimmern kennt und so ihre Situation besser verstehen kann. Zudem hatte ich bei Übertrittsgesprächen auch die Möglichkeit, auf meine eigene Biografie zu verweisen, und konnte so zeigen, dass es viele Berufs- und Ausbildungswege gibt. Manche Wege beanspruchen vielleicht mehr Zeit, man gewinnt dafür aber viel an Erfahrung und «Fülle».

Besonders schätze ich die Vielseitigkeit des Lehrerberufs. Kein Tag ist wie der andere. Das Unterrichten an sich bietet eine unglaubliche Vielfalt, welche einen täglich von Neuem fordert und immer wieder kritisch überdacht werden will. Es sind nicht nur die wechselnden Lernorte – Schulzimmer, Turnhalle, Werkraum, Exkursion etc. –, sondern vielmehr auch die Lernsituationen, welche immer wieder wechseln und neu durchdacht werden müssen, um die Kinder auf ihrem Lernweg optimal unterstützen zu können. Aber auch ausserhalb der Unterrichtstätigkeit fallen vielseitige Arbeiten an. Das Wechselspiel dieser unterschiedlichsten Aufgaben, in der Zusammenarbeit mit Behörden, Lehrpersonen und weiteren Fachpersonen etc. sowie den Kindern und deren Eltern, macht den Beruf besonders spannend.

Die authentischen Rückmeldungen der Lernenden schätze ich sehr. Sie lassen einen schnell spüren, wenn eine Unterrichtssequenz schlecht durchdacht oder in einem Ungleichgewicht ist. Auf der anderen Seite sieht man auch, wenn es gelingt, eine gute Lernatmosphäre zu schaffen. Zum Feedback der Kinder kommt der wertvolle Austausch mit Berufskolleginnen und -kollegen dazu, welcher unabdingbar ist, um gute Arbeit leisten zu können.

Aus Theorie und Praxis kenne ich die Bedeutung der Zusammenarbeit mit den Eltern. Die Qualität dieser Zusammenarbeit zeigt sich, so meine ich, auch sehr stark im Erfolg respektive Misserfolg des Kindes in der Schule. Wenn man mit den Eltern am selben Strick zieht, ist das für das Kind am besten und für die Eltern sowie auch für mich als Lehrer befriedigend.

Warum ich heute in Bildungsforschung und in der Lehre an der Pädagogischen Hochschule und Universität tätig bin? Vermutlich hat mich mein Wissensdurst hingetrieben. Bei meiner Arbeit als Lehrer stand ich vor immer neuen Fragen, Fragen zur Bildung und zum Lernen, zur Entwicklung der Kinder.

In Forschungsprojekten kommt mir natürlich zugute, dass ich aus eigener Erfahrung weiss, wie Schule funktioniert, jedoch sind die Lehrer- und die Wissenschaftlerrolle unterschiedlich und bewusst zu trennen. Eine dritte Rolle ist die als Dozent. Ich war ein leidenschaftlicher Lehrer, und ich würde mich auch heute noch als solchen bezeichnen, zumal ich immer wieder als Stellvertreter einspringe.

Dies neben der Freude am Beruf auch darum, um den Bezug zur Praxis auf diese Weise aufrechtzuerhalten, welcher einem gerade als Dozent hilft, die wissenschaftlichen Inhalte zielgerichtet zu vermitteln.

Als Primarlehrer war ich als Mann schon eher die Ausnahme in den Teams. Ich habe das aber nie als nachteilig erlebt. Ob es Unterschiede gibt? So aus dem Bauch heraus habe ich den Eindruck, dass es den männlichen Kollegen eher wichtiger war, dass Teambeschlüsse überhaupt herbeigeführt werden konnten. Während die weiblichen Kolleginnen im Lehrpersonenteam eher aushandelten und wieder verhandelten, bis es vermeintlich allen recht war. Aber was dabei Klischee ist und was nicht, kann ich nicht beurteilen. Wichtiger ist meines Erachtens vielmehr, dass es hinsichtlich der Qualität des Unterrichts ganz klar keine Unterschiede gibt.

Dies bestätigen übrigens auch Ergebnisse aus aktuellen wissenschaftlichen Studien. Ich glaube aber, dass es denjenigen Klassen gut tut, die hauptsächlich einen Lehrer haben, dass sie auch mal in den Genuss kommen, von einer Frau unterrichtet zu werden und umgekehrt. Auch sehe ich die Möglichkeit für geschlechtergetrennten Unterricht – Jungs beim Lehrer, Mädchen bei einer Lehrerin und auch hier umgekehrt –, um aus angestammten Mustern auszubrechen bzw. ausbrechen zu können. Mit engagierten Kolleginnen konnte ich dies immer wieder erfolgreich umsetzen. Hinzu kommt, dass sich durch Lehrpersonenwechsel manchmal auch neue Zugänge zu Themen – oder neue Zugänge zu den Lernenden – eröffnen, was letztendlich den Lernerfolg positiv beeinflusst.