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Ramona Kim:
«Ich bin vom Teamteaching überzeugt»

Ramona Kim ist Primarlehrerin an der Unterstufe in Baden

«Ich arbeite im Teamteaching. Ich wollte das schon immer, denn ich bin der Meinung, dass man viel voneinander profitieren kann. Meine Kollegin und ich hatten begonnen mit der Idee, etwa zwei Drittel der Stunden gemeinsam zu unterrichten. Wir merkten aber schnell, dass das zu viel ist, denn der Aufwand für Teamteaching ist sehr gross. Es braucht viele zeitintensive Diskussionen in der Vorbereitung. Jetzt machen wir jeden Tag einen gemeinsamen Einstieg und unterrichten so 7 Lektionen pro Woche zusammen. Wir meisterten einige Schwierigkeiten, die mir gezeigt haben, dass sich der Aufwand lohnt. Denn wenn man Lösungen findet, ist das nicht zu Letzt auch ein gutes Gefühl.

Mein Ziel wäre es, mit den Schülerinnen und Schülern in Leistungsniveaus zu arbeiten. Das gestaltet sich aber schwierig, denn es gibt viele Stunden, in denen nicht alle Schülerinnen und Schüler da sind, da sie zum Beispiel logopädisch betreut werden oder ins Deutsch als Zweitsprache gehen. Wir haben jetzt gemeinsam 23 Schülerinnen und Schüler. Das ist eine ideale Klassengrösse. Die Kinder lernen sich kennen, können sich gegenseitig helfen. Ausserdem können sie sich in jedem Fach an anderen messen, die auf dem gleichen Niveau sind. So werden sie gefordert und gefördert.

Das Teamteaching ist ein langer Prozess. Die Lehrpersonen, die sich entschieden haben, zusammen zu arbeiten, müssen gut kommunizieren, sie müssen sich verstehen und das Heu auf der gleichen Bühne haben. Ausserdem muss man aushalten, dass es jemand anders eben nicht gleich macht, wie man selbst. Man muss offen und kritikfähig sein. Ich habe viel gelernt, auch auf der sozialen Ebene. Teamteaching erlebe ich als grosse Herausforderung und bin überzeugt davon. Vier Ohren hören mehr als zwei, vier Augen sehen mehr. Ich empfinde es auch als Entlastung, nicht alleine im Schulzimmer zu stehen.

In der heutigen Ausbildung zur Primarlehrperson ist Teamteaching ein grosses Thema, das von der Pädagogischen Hochschule stark gefördert wird. Die Praktikantinnen und Praktikanten sind zu zweit in der Klasse und wollen gemeinsam, also im Teamteaching unterrichten. Überhaupt sind Praktikantinnen und Praktikanten sehr bereichernd. Sie zeigen einem neue Lehrformen auf, sind immer auf dem neuesten Stand der Wissenschaft. Das schätze ich sehr und meine Arbeit profitiert davon.

Im Alltag wünschte ich mir noch mehr Unterstützung, damit Teamteaching oder überhaupt die Zusammenarbeit zwischen Lehrerinnen und Lehrern einfacher wird. Damit nicht jeder wieder in die gleichen Fallen tappt. Die Schulleitungen sind dem Zusammenarbeiten gegenüber positiv eingestellt. Trotzdem haben wir die Erfahrung gemacht, dass man ziemlich auf sich allein gestellt ist, alle Erfahrungen und Fehler selbst machen muss. Hier könnte man sich gegenseitig noch besser unterstützen.

Ich wollte schon als Kind Lehrerin werden. Meine Kindergärtnerin war mein grosses Vorbild. Genau wie sie, so wollte ich sein. Nach der Schule folgte ich dem Tipp meines Vaters und machte eine kaufmännische Lehre. Ich habe in der Maschinenindustrie gearbeitet und mich ziemlich wohl gefühlt. Trotzdem spürte ich, dass ich mehr mit Menschen zu tun haben wollte und so entschied ich mich für ein Studium an der Pädagogischen Hochschule. Schon während des Studiums habe ich Teilzeit gearbeitet und dabei gemerkt, dass mir die Unterstufe sehr zu sagt.

Neben der Schule engagiere ich mich bei der Organisation des Kinderliteraturfestivals «kunterbunt» und organisiere das Skilager für die Primarschule Baden. Das gibt mir Abwechslung. Ausserdem schreibe ich an einem Buch, singe in einem Chor und mache Yoga. Das hilft mir beim Abschalten. Ich wohne bewusst am selben Ort, an dem ich arbeite. Ich finde es wichtig, den Puls der Stadt zu spüren, in der auch meine Schülerinnen und Schüler leben.»