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Erika Veltin:
«Zahlen habe mich schon immer fasziniert»

Erika Veltin ist Gymnasiallehrerin für Mathematik und Biologie, Konrektorin in Basel

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«Ich konnte bereits rechnen, bevor ich in die Schule kam. Buchstaben haben mich weniger interessiert, aber Zahlen haben mich fasziniert. Darum lag es nahe, dass ich nach der Primarschule das mathematisch naturwissenschaftliche Gymnasium absolvierte. Lange Zeit wollte ich Tierärztin werden, aber gegen Ende der Schulzeit merkte ich immer mehr, dass dies nicht der geeignete Weg für mich wäre – zudem begann ich mich immer stärker für den Lehrerberuf zu interessieren.

Ich hatte einen Mathematiklehrer, den ich sehr bewunderte. Die Art, wie er mit uns umging und wie er den Stoff vermittelte, beeindruckte mich. Er hat eigentlich den Ausschlag für meine Berufswahl gegeben. Ausserdem begann ich schon während des Gymnasiums, Nachhilfeunterricht zu geben und spürte, dass mir das Unterrichten Freude macht. So beschloss ich, den Lehrberuf zu ergreifen.

Dass ich mich an der Uni für Mathematik und Biologie entschieden habe, lag auf der Hand. Mit beiden Fächer habe ich mich schon seit der Kindheit beschäftigt. Dass ich dabei öfter mit Männern als mit Frauen in Kontakt kam, war für mich nie etwas Besonderes. Ich habe einfach das studiert, was mich interessiert. Auch für die Schülerinnen und Schüler ist es übrigens kein Thema, dass sie von einer Frau in Mathematik unterrichtet werden. Sie beurteilen den Unterricht und den Umgang, den man mit ihnen pflegt.

Schon während des Studiums konnte ich als Stellvertretung an verschiedenen Schulen unterrichten. Das hat mich in meiner Berufswahl bestärkt und mir den Einstieg ins Berufsleben erleichtert. Mir war auch von Anfang klar, dass ich mit Teenagern und jungen Erwachsenen arbeiten wollte. Ich finde es toll, dass ich die Jugendlichen in einer wichtigen Phase ihres Lebens begleiten kann. Sie kommen zu uns mitten in der Pubertät und verlassen die Schule als junge Erwachsene. Die Maturfeier ist für mich immer ein bewegender Moment. Ich verabschiede mich von meinen Schülerinnen und Schülern und bin glücklich darüber, dass sie nun gut gerüstet ihren weiteren Weg gehen können.

Seit drei Jahren habe ich das Amt der Konrektorin übernommen. Es gab einen Wechsel in der Schulleitung und der Wunsch des neuen Rektors war, dass auch eine Frau in diesem Gremium vertreten sein sollte. Ich habe mir die Entscheidung nicht leicht gemacht, denn ich unterrichte sehr gern und wollte dies nicht aufgeben. Mir ist es sehr wichtig, dass ich trotz meiner Funktion als Konrektorin auch Klassenlehrerin sein kann und Zeit für Schullager oder Theaterprojekte habe. Während solcher Projekte, die losgelöst vom regulären Schulbetrieb sind, kann ich mir mehr Zeit für einzelne Schülerinnen und Schüler nehmen.

Die Beziehung zu Schülerinnen und Schülern ist manchmal sehr intensiv. Sie kommen mit Sorgen und Nöten zu mir, denn sie sind in einem Alter, in dem sie sich bewusst Erwachsene ausserhalb des Elternhauses als Bezugspersonen und Vorbilder suchen. Da nehme ich als Lehrerin eine wichtige Rolle ein und kann Schülerinnen und Schüler auf ihrem Weg stärken. Wenn ich besonders tragische Geschichten höre, dann muss ich mich innerlich auch mal distanzieren können. Wichtig ist auch ein gesunder Ausgleich – sonst kann einen dieser Beruf auslaugen. Ich versuche regelmässig Sport zu treiben und verbringe viel Zeit an der frischen Luft.

Seit eineinhalb Jahren bin ich Mutter einer Tochter. Lehrerin und Mutter sein lässt sich wunderbar vereinbaren, solange niemand krank ist. Dann aber beginnt die grosse Organisation. Den Unterricht ausfallen zu lassen, ist sehr schwierig. Die Büroarbeit, die ich als Konrektorin habe, lässt sich da teilweise eher verschieben oder von zu Hause aus erledigen. Zum Glück lassen sich aber organisatorische Probleme mit einem guten Umfeld meistens lösen. Ich liebe meinen Beruf und würde ihn jederzeit wieder ergreifen.»